zu den Favoriten hinzufügen
Bezeichnung der Qualifikation
Ingenieur/Ingenieurin (Qualifikationsbezeichnung gem. IngG 2017)
NQR-Niveau
Qualifikationsanbieter
1. ) Für technisch-gewerbliche Ingenieure und Ingenieurinnen: Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft; 2.) Für land- und forstwirtschaftliche Ingenieure und Ingenieurinnen: Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft
Wesentliche Lernergebnisse

Ingenieurinnen und Ingenieure sind typischerweise in einem oder mehreren der folgenden zwölf Arbeitsbereiche tätig und führen darin verschiedene fachliche Tätigkeiten durch (vgl. „Beschreibung der Ingenieur-Qualifikation", www.bmwfw.gv.at):

 

1. Forschung und Entwicklung

2. Produkt- und Systementwicklung, Konstruktion

3. Projekt- und Prozessmanagement

4. Materialwirtschaft und Beschaffung

5. Arbeitsvorbereitung und Produktion

6. Qualitäts-, Umwelt- und Sicherheitsmanagement (QUSM)

7. Marketing und Verkauf

8. Technisches Service und Kundendienst

9. Inspektions- und Sachverständigentätigkeit

10. Betriebswirtschaft und Unternehmensführung

11. Beratung und  Consulting 

12. Lehr- und Vortragstätigkeit


Allgemein lassen sich die Tätigkeiten (und damit die Lernergebnisse), die Ingenieurinnen und Ingenieure in diesen Arbeitsbereichen ausführen, auf folgende Art beschreiben: Ingenieurinnen und Ingenieure sind in der Lage:

  • komplexe, sich verändernde technische bzw.  land-  und forstwirtschaftliche Arbeitsaufgaben selbstständig zu analysieren und zu bewerten,
  • Informationen für die Durchführung technischer bzw.  land-  und forstwirtschaftlicher Aufgaben zu recherchieren, auszuwählen, zu bewerten und einzusetzen,
  • Methoden und Instrumente für die Durchführung technischer bzw.  land-  und forstwirtschaftlicher Aufgaben - gegebenenfalls unter Berücksichtigung unternehmensinterner Vorgaben - auszuwählen und anzuwenden,
  • bei der Durchführung technischer bzw.  land-  und forstwirtschaftlicher Aufgaben Know-how aus anderen Disziplinen/Unternehmensbereichen sowie aufgabenrelevante Gesetze und Vorschriften anzuwenden,
  • bei Herausforderungen und nicht vorhersehbaren Problemen im Rahmen der Aufgabenbewältigung Lösungsalternativen zu entwickeln,
  • bei ihren Entscheidungen und Handlungen Auswirkungen auf andere Unternehmensbereiche zu berücksichtigen,
  • Teams zur Bewältigung betriebswirtschaftlicher Arbeitsaufgaben anzuleiten, zu koordinieren und zu führen,
  • Ergebnisse von technischen bzw.  land-  und forstwirtschaftlichen Aufgaben nach innen und außen in mündlicher und schriftlicher Form zielgruppenadäquat aufzubereiten und zu kommunizieren,
  • Abläufe im Rahmen der Aufgabenbewältigung zu bewerten und gegebenenfalls Vorschläge zur Qualitätsoptimierung vorzubringen,
  • ihr eigenes Verhalten sowie das Verhalten anderer Teammitglieder kritisch zu hinterfragen und Verantwortung für ihre Handlungen und jene der anderen zu übernehmen,
  • an der Erreichung der Unternehmensziele durch unternehmerisches Handeln mitzuwirken,
  • inhaltlich die Verantwortung für (ein) bestimmte(s) Aufgabengebiet(e) zu übernehmen, Projekte (oder Teile von größeren Projekten), Aufgabenbereiche oder Unternehmen zu leiten bzw. Mitarbeiter/innen zu führen.
Berechtigungen

Durch die Ingenieur-Qualifikation ergeben sich keine spezifischen (Berufs-)Berechtigungen (etwa Zutritt zu einer Tertiäreinrichtung). Vielmehr geht es um die Übernahme von höhenwertigeren Aufgaben in einem Unternehmen, die Leitungs- und Führungsfunktionen einschließen können.
Hinsichtlich der Führung der Qualifikationsbezeichnung sind Ingenieurinnen und Ingenieure  gem.  IngG 2017 berechtigt, „Ingenieurin" bzw. „Ingenieur" vor ihrem Namen in Kurzform („Ing." bzw. „Ing.in") oder in vollem Wortlaut mit oder ohne Hinweis zum Qualifikationsniveau des NQR zu führen und deren Eintragung in amtlichen Urkunden zu verlangen (§ 10 IngG 2017).

Bereiche und Sektoren

Ingenieur/innen sind in technischen bzw.  land-  und forstwirtschaftlichen Arbeitsbereichen (vgl. „Beschreibung der Ingenieur-Qualifikation", www.bmwfw.gv.at) vorrangig in der Industrie und im Gewerbe sowie in der Land- und Forstwirtschaft tätig.

Zugangsvoraussetzungen

Für den Erwerb der Ingenieur-Qualifikation gelten sowohl formale als auch fachliche Voraussetzungen. Die formalen Voraussetzungen, die von der Zertifizierungsstelle auf Basis des schriftlichen Antrags überprüft werden, sind in § 2 IngG 2017 definiert:

Bildungsabschluss:

Mit folgenden Bildungsabschlüssen ist dieser Teil der formalen Voraussetzungen erfüllt:

1. Reife- und Diplomprüfung einer inländischen höheren technischen und gewerblichen Lehranstalt (HTL) bzw. einer inländischen höheren  land-  und forstwirtschaftlichen Lehranstalt (HLFS)
ODER
2. Abschluss einer ausländischen Schule, der in Inhalt und Niveau einer HTL/HLFS-Reife- und Diplomprüfung entspricht
ODER
3. Berufliche Qualifikation, die in fachlicher Hinsicht mit den Inhalten eines HTL/HLFS-Abschlusses vergleichbar ist UND Abschluss einer (allgemeinen) Reifeprüfung

Berufspraxis:

Die formalen Voraussetzungen zur Berufspraxis sind dann erfüllt, wenn diese folgenden Kriterien entspricht:

  • Fachbezogen: Die Berufspraxis muss in jedem Fall der im Antrag anzugebenden HTL-Fachrichtung entsprechen oder fachverwandt zu dieser sein. Nur dadurch kann sichergestellt werden, dass die mit dem Bildungsabschluss nachgewiesenen Kenntnisse und Fertigkeiten in der Praxis angewandt, vertieft und erweitert wurden.
  • Anzahl der Praxisjahre: Die Mindestanzahl der Praxisjahre richtet sich nach dem Bildungsabschluss: Nach Erwerb eines HTL-/HLFS-Abschlusses (Punkt 1 oben) bzw. eines äquivalenten ausländischen Bildungsabschlusses (Punkt 2 oben) ist eine mindestens dreijährige Praxistätigkeit erforderlich; nach Erwerb einer beruflichen Qualifikation und einer Reifeprüfung (Punkt 3 oben) ist eine mindestens sechsjährige Praxistätigkeit erforderlich.
  • Ausmaß der Wochenstunden: Neben der Mindestjahresanzahl sieht das IngG auch ein bestimmtes Zeitausmaß vor. Über die gesamte Praxiszeit gerechnet sind durchschnittlich zumindest 20 Wochenstunden zu absolvieren: Bei dreijähriger Praxistätigkeit ist daher ein Ausmaß von 3.120 Arbeitsstunden nachzuweisen, bei sechsjähriger Praxistätigkeit sind es 6.240 Arbeitsstunden. Die Praxiszeiten können nicht „geblockt" werden: Das heißt, ein erhöhtes Stundenausmaß verkürzt nicht die Mindestanzahl an Praxisjahren.

 

Das Vorliegen der fachlichen Voraussetzungen wird von den Fachexpert/innen der Zertifizierungskommission auf Basis von Kriterien festgestellt. Dabei sind zwei wesentliche Aspekte zu berücksichtigen:


1. Der/die Antragsteller/in muss aus zumindest einem Arbeitsbereich (gemäß Liste der ingenieurmäßigen Tätigkeiten — siehe „Beschreibung der Ingenieur-Qualifikation", www.bmwfw.gv.at/ingenieur) Tätigkeiten auf ingenieurmäßigem Niveau durchgeführt haben. Damit hat er/sie grundsätzlich die mit dem Ingenieur verbundenen Kriterien erfüllt. Im Fachgespräch hat er/sie die tatsächliche Durchführung dieser Tätigkeiten und die dadurch erworbenen Kenntnisse, Fertigkeiten und Kompetenz unter Beweis zu stellen.

 

2. Die Anzahl der Arbeitsbereiche (und der damit verbundenen Tätigkeiten) ist entscheidend für den Detailliertheitsgrad der im Fachgespräch dargebotenen Informationen. Wenn der/die Antragsteller/in in wenigen Arbeitsbereichen tätig war/ist („Spezialist/in"), muss er/sie über spezifische bzw. tiefergehende Kenntnisse und Fertigkeiten in diesen Bereichen verfügen. War/ist er/sie in vielen Arbeitsbereichen tätig („Generalist/in"), muss er/sie ein breiteres Know-how unter Beweis stellen. Zwischen diesen „Polen" wird es verschiedene Ausprägungen geben, die bei der Gewichtung der Fragestellungen im Fachgespräch berücksichtigt sind.

Dauer
Vgl. Zugangsvoraussetzungen